Integratives Atmen

 

Verlauf einer Atemsitzung
 


Die Integrative Atemarbeit findet in einer liebevollen Atmosphäre und einem besonders geschützten Rahmen statt. Nach einer den Bedürfnissen der Teilnehmer entsprechenden Einleitung und Vorbereitung beginnen wir gemeinsam den Weg zur Erfahrung im vertieften Bewusstsein.

Der Erfahrende liegt auf einer Matratze und wird dabei von einem anderen Teilnehmer (Sitter) betreut und unterstützt. Eine besondere Entspannungsanleitung geleitet uns in den vertieften – holotropen - Bewusstseinszustand. Speziell ausgewählte Musik lässt uns weiter in die Tiefe unserer Erfahrung gleiten. Ebenso unterstützt uns die Vertiefung und Beschleunigung unseres Atems – so wie es für den einzelnen gut ist.

Wir übergeben dabei die Führung zunehmend an unser Inneres und erleben dabei das, was im Augenblick für uns wichtig ist. Im „holotropen Bewusstseinszustand“ verlassen wir unser Alltagsbewusstsein. Das, was wir erleben zeigt sich uns in großer innerer Klarheit und Deutlichkeit : Bilder, Gedanken, Gefühle, körperliche Wahrnehmungen, Erinnerungen, Bewegungen vermitteln sich uns mit einem starken Gefühl von Echtheit und Wahrheit des Erlebten.

Es können Inhalte und Erlebnisse aus unserer Lebensgeschichte oder auch aus der Zeit unserer Geburt auftauchen. Unter der schützenden und stützenden Begleitung erfahrener Trainer kannst Du alte Trauer beweinen, jahrelang aufgestaute Wut ausdrücken und loswerden und Deine inneren Quellen an Kraft, Stärke und Freude deutlich erkennen und spüren. Es können aber auch Erlebnisse aus dem Transpersonalen Bereich sowie spirituelle Erlebnisse auftauchen. Das „transpersonale Unbewusste“ ist ein Bereich , der uns aus der menschlichen Vereinzelung erlöst und uns miteinander verbindet: mit allen Menschen auf diesem Planeten, mit Tieren , Pflanzen, den Elementen, allen Wesen zwischen Himmel und Erde. Im transpersonalen Bewusstsein finden sich Hinweise und Perspektiven, um Wege aus ausweglosen Situationen zu finden – ebenso wie das Wissen und die Weisheit der Schöpfung.

In zunehmenden Maße erleben wir uns bei unserer Erfahrung und in unserem Leben getragen von einer inneren Führung und Weisheit. Wir erleben uns eingebettet in ein Großes und Ganzes.

Strahlende Erlebnisse erscheinen in einem glanzvollen Licht und großer Schönheit. Schwierige Erfahrung können wir mit großer Unterstützung aus unserem Inneren und auch den umgebenden fördernden Energien bewältigen.

Der innere Weg durch unsere Erfahrung zeigt sich uns mit großer Deutlichkeit. Dabei haben wir jedoch stets soviel Kontrolle über des Geschehen , sodass wir uns innerlich deutlich für oder auch gegen den nächsten Schritt der Erfahrung entscheiden können.

Treten bei unserer Erfahrung körperliche Blockaden oder Beschwerden auf, so können diese durch gezielte Körperarbeit und Unterstützung durch die Gruppenleiter und Sitter gelöst und überwunden werden.

Wenn unsere Atem - Erfahrung zu Ende geht , kehren wir langsam mit unserem Bewusstsein wieder in den Raum zurück. Wir können mit unserem Sitter über unsere Erlebnisse sprechen oder aber gleich damit beginnen, unsere Erfahrung und das Erlebte intuitiv malend zu Papier zu bringen. So können wir uns unserer Erfahrung zunächst auf bildlicher Ebene annähern und beginnen diese zu begreifen und zu verstehen.

Die meisten Teilnehmer strahlen nach der Erfahrung Gelöstheit , Weichheit, Freude und Lebendigkeit aus . Sie fühlen sich innerlich klar, locker und von großer Lebendigkeit durchströmt.

Die erste Aufarbeitung der Erfahrungen im holotropen Bewusstsein erfolgt in Kleingruppen , in denen sich die Teilnehmer mit offener Anteilnahme und offenem Herzen gegenseitig unterstützen. Die weitere Aufarbeitung ist anschließend in der Großgruppe möglich.

Die gesamte integrative Atemerfahrung wird getragen durch die innere Vorbereitung und Zentrierung der Gruppenleiter, der inneren Anteilnahme und Begleitung durch die Sitter . Die tägliche gemeinsame Meditation unterstützt uns dabei, uns für unser Inneres sowie die uns umgebenden fördernden Energien zu öffnen.

Die Teilnehmer berichten immer wieder über die Zunahme ihres Selbstvertrauens heraus aus dem Gefühl des Geborgenseins und Getragenseins. Sie können sich zunehmend von der inneren Führung auf ihrem Weg unterstützen lassen.

Durch die regelmäßige Teilnahme an der Integrativen Atemarbeit wird eine Wandlung möglich, die zur Deiner Entfaltung führt. Du kannst den Sinn und den Zusammenhang Deines Lebens begreifen. Du lernst, Dein Leben entsprechend Deinen Bedürfnissen einzurichten und Dich dem Fluss des Lebens hinzugeben. Dies lässt Dich lebendig und zufrieden werden.
 


Um Dir das Erleben einer Atemsitzung näher zu bringen
berichte ich von meiner ersten Atemerfahrung:

(Sie ist viele Jahre her, aber noch ganz deutlich gegenwärtig, als wäre es gestern gewesen.)
 

 

Die Atemerfahrung:
Die lange Entspannungsanleitung hat mich die anfängliche Aufregung vor meiner ersten Atemsitzung vergessen lassen. Ich liege angenehm schwer, warm und entspannt. Die Aufforderung tiefer und schneller zu Atmen lässt meinen Atem tiefer und schneller fließen, die einsetzende Musik unterstützt mich dabei und reißt mich immer mehr mit. Die Bewegung des Atems setzt sich in meinem ganzen Körper fort. Meine Arme und Beine füllen sich mit einem wohligen Prickeln. In meiner Magengegend knapp unterhalb des Brustbeines setzt ein brennender Schmerz ein. Meine Sitterin holt Gabi, die Trainerin. Diese unterstützt mich indem sie einen kräftig massierenden Druck auf meine Brustbeinspitze ausübt. Bald löst sich der Schmerz wieder und mein Atem fließt noch tiefer . Aus meiner Kehle kommt von selbst ein tiefer, kräftiger Laut. Die Dinge geschehen mit mir. Ich strecke  mich mit meinen Beinen und Armen nach oben, der Bauch ist auf der Oberseite und mein Hals völlig durchgestreckt. Ich fühle mich als ein kraftvoller Tiger. Der Atem geht leicht hinein und die Stimme ganz leicht hinaus.

Ich weiß nicht wie lange dies währt - aber vermutlich sehr lange. Irgendwann werde ich müde und mein Körper legt sich nieder zur Seite. Es ertönt indische Musik und ich sehe mich als Tiger der von kräftigen Männern auf einer Trage getragen wird - inmitten eines langen Prozessionszuges. Erstaunt und in völliger Klarheit sehe ich das Bild vor mir. Die Bilder entwickeln sich von selbst. Ich weiß genau, dass diese Prozession mich zu einem Platz führt , wo ich verbrannt werden soll. Vor mir sehe ich bald den brennenden Holzberg. Ich fühle jedoch überhaupt keine Angst.  Als ich auf dem Scheiterhaufen inmitten des lodernden Feuers liege, merke ich, dass ich auch überhaupt keinen Schmerz empfinde. Während ich verbrenne sehe ich mich gleichzeitig als neugeborenes Kind in einer Krippe daneben liegend. Nackt, nur mit einem kleine Stück Leinen als Unterlage auf dem Stroh.

Währende ich staunend daliege, spüre ich die Hand von Sylvester -dem Trainer- auf meinem Nacken und auf dem Hinterhaupt, sein Körper berührt mich vorsichtig von hinten. Das Bild wandelt sich für mich - ich fühle mich im Gitterbett meiner Kindheit eingesperrt liegend wieder. Sylvesters Hand berührt mich wie durch die Stäbe. In mir wandelt sich die ursprüngliche Freude in tiefe Traurigkeit. Die Tränen fließen und ich beginne heftig zu weinen und zu schluchzen. Es ist, als ob ich die ganze Traurigkeit meines Lebens herausweine. Und gleichzeitig bin ich froh und glücklich, nicht mehr allein zu sein und aus dem (lebenslangen) Gefühl der Einsamkeit befreit zu sein. Ich staune, dass Sylvester genau zum passenden Zeitpunkt kam. Langsam beginnt sich das Bild wieder zu ändern. Ich liege auf einer Wiese, neben mir ein Wasser und der Himmel über mir scheint sich zu öffnen und ich  höre ganz klar und deutlich die Stimme, die zu mir sagt: ,,Hier ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe." Ich fühle mich voll Freude und selig. Es ist , als wenn  das passiert , was ich mein Leben lang erwartet habe: Mein lebenslanges Gefühl, nicht zu entsprechen, nicht zu genügen löst sich zum ersten Mal auf. Zum ersten Mal  habe ich das Gefühl, so wie ich bin bin ist es gut.

Sylvester geht wieder und ich liege noch lange still und spüre oder besser nehme meinen Körper , meine Gefühle war, bin von allem was ist erfüllt. Trotz der Mischung aus Traurigkeit, Freude und Glückseligkeit ist es ein angenehmer Zustand, den ich genieße. Langsam merke ich, dass es zu Ende geht - es erscheint nichts Neues  und ich öffne langsam meine Augen. Meine Sitterin sitzt neben mir und sieht mich mit offenen warmen Augen an und ich bitte sie mich zu halten. Es tut gut, jetzt nicht allein zu sein, das auch zu spüren und das Erlebte mit ihr zu teilen. Sie hat die ganze Zeit über auf mich aufgepasst, damit ich mich nicht verletze,  hat mich zum Clo begleitet, mir nach der Sitzung etwas zum Trinken gebracht. Aber was viel wichtiger war, sie war die ganze Zeit über mit innerer  Anteilnahme für mich da, sodass ich mich ganz der Erfahrung hingeben konnte.

Nachdem ich lange so gelegen bin, versuche ich das erlebte zu malen: Den Tiger und dann die Szene mit dem Scheiterhaufen und daneben mich als neugeborenes Kind. Mein Körper fühlt sich gut an, müde und lebendig und kräftig zu gleich. Nur meine Stimme ist heiser, das stört mich aber nicht.

Gabi und Sylvester kommen noch bei mir vorbei. Nachdem ich kurz berichtet habe und mich innerlich und körperlich wohl fühle, kann ich zum wohlverdienten Abendessen gehen.

Die Aufarbeitung erfolgt in kleinen Gruppen. Es tut gut zu berichten und verständnisvolle Zuhörer zu haben, die innerlich am Erlebten Anteil  nehmen und mich unterstützen. Die Rückmeldungen helfen mir, die Erfahrung immer mehr anzunehmen.
 
Das Erlebte bewirkt in mir innerlich eine tiefe Veränderung. Ich bin tief im Innersten berührt worden, wie noch in keiner Therapie oder Selbsterfahrung. Die Entdeckung, als Mensch und Sohn angenommen zu sein und geliebt zu sein, heilt eine tiefe innere Wunde und gibt mir den Glauben an die Liebe und die heilsame  Kraft der Liebe zurück. Gleichzeitig öffnet sich mein Herz wieder und bekommt Zugang zu einer in den Kindheits - und Jugendtagen gelebten Religiosität. Was bedeutet das alles für meinen Alltag ?...........

....Der eigentliche Integrationsprozess beginnt erst nach dem Seminar in der Pause zum nächsten Seminar.
Wie finde ich  Platz und Umgang  für die  wiedererwachte Spiritualität? Kann ich das Gefühl geliebt zu sein behalten? Wie wird es sich im Alltag bewähren ? Es tut gut, dass ich in der Gruppe Weggefährten gefunden habe. Der Kontakt mit ihnen und der Austausch hilft mir die Erfahrung aus der Atemsitzung in die Wirklichkeit des alltäglichen Lebens mitzunehmen. Die innere Veränderung verbindet sich im alltäglichen Leben mit meinem Handeln und verändert meine innere Haltung - ich gehe nachdenklicher mit mehr Achtsamkeit nach innen und nach außen durch meinen Alltag.

 
   
 
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