Integratives Atmen

 

 

Erfahrungsspektrum im Integrativen Atmen

Wie können wir personale und transpersonale Erfahrungen unterscheiden?


 

Das Erwachsenenleben beschert uns auf natürliche Weise seinen Teil der Öffnung.
Wir werden verantwortlich und aufmerksam gegenüber unserer Familie, unserer Gemeinschaft, der Welt in der wir leben.
Wir entdecken die Notwendigkeit eines klaren Kopfes,
und wir verspüren die tiefe Sehnsucht danach,
das zu verwirklichen, wozu wir uns berufen fühlen.
Mit der Reife werden wir wie von selbst kontemplativer.
Wir fühlen uns innerlich dazu gedrängt, Perioden der Reflexion zu suchen,
Abstand zu gewinnen und auf die Stimme unseres Herzens zu hören.

   Jack Kornfield

In unseren Atemsitzungen machen wir mannigfaltige Erfahrungen.

Viele Erfahrungen können wir klar aus unserem lebensgeschichtlichen Kontext erkennen und zuordnen. Andere Erfahrungen nehmen langsam  erkennbare Form und Gestalt an oder tauchen allmählich aus unserem Leibgedächtnis auf, bleiben manchmal eine Zeit lang Ahnungen, bis sie  sich im Laufe unseres zunehmenden therapeutischen Weges oder unseres  Selbsterfahrungsprozesses verdichten und klären. Andere Erfahrungen sind deutlich unserer Lebensgeschichte zuzuordnen, zeigen aber gleichzeitig eine darüber hinausragende Komponente von verschiedenartiger Qualität.  

Wesentliches Charakteristikum eines transpersonalen Bewusstseins ist die Präsenz, die Gegenwärtigkeit, die bewusste Anwesenheit. Ein Zugang zum transpersonalen Bewusstsein besteht darin, unsere Aufmerksamkeit von den Inhalten unseres Erlebens abzuwenden und zu unserem inneren Gewahrsein hinzulenken. Dann lösen wir uns von unserer üblichen Art unserer Wirklichkeitskonstruktion, unseren Identifizierungen mit ihren Interpretationen und Konzepten. Wenn wir uns unserem Gewahrsein zuwenden, spüren wir den inneren Raum unserer Bewusstheit. Es ist der innere Platz, der alles beobachtet, der Zeuge allen Geschehens. Es erscheint  wie die Leinwand, auf der der Film des Lebens spielt, die Bühne, auf der das Spiel unseres Erlebens erscheint. 

Das transpersonale Bewusstsein scheint eine gewisse Reinheit und Klarheit zu besitzen, eine Art von Unberührtheit und Ursprünglichkeit. Diese Freiheit von jeder diskreten Form erst ermöglicht wohl, dass jeder Inhalt unseres Erlebens im Lichte der Bewusstheit auftauchen kann. Das Bewusstsein selbst erscheint leer von jedem Einzelnen und offen, wie ein leerer Spiegel, wie ein offenes Gefäß, das sich von den Erscheinungen und Erlebnisqualitäten füllen lässt. Neben seiner Leere wird es weit, unendlich weit, unbegrenzt weit und raumhaft erlebt, so dass es auch als Bewusstseinsraum beschrieben werden kann. Dieser Bewusstseinsraum ruht in sich selbst, er trägt in sich selbst Frieden und Stille. So wirkt er zentriert, wie eine Art Mittelpunkt oder Nullpunkt für die Inhalte unseres Erlebens.

Gleichzeitig wird das transpersonale Bewusstsein transparent und durchlässig für energetische Empfindungen, Jenseitiges, Höheres und Transzendentes. In seiner Offenheit erfährt es Verbundenheit mit anderen Menschen und der Welt. In ihm haben wir das Gefühl, unserem Wesen nahe zu sein und mit unserem Wesen verbunden zu sein. Der Grund unserer Wahrnehmung und unseres Erlebens kann erfahren werden und erscheint dann als Seinsgrund, als transzendenter Urgrund.

Das „Abenteuer der Selbst – Entdeckung“ ist ein manchmal anstrengender, stürmischer, manchmal auch leidvoller und oft ein freudvoller, beglückender Weg den wir gemeinsam begonnen haben. Ein Weg der uns jeden Tag ein Stück weiter zu uns selbst führt und uns jeden Tag ein Stück mehr an Lebendigkeit  schenkt.


 

Es ist uns Menschen möglich, unser Ego zu transzendieren und einen Hintergrund zu erfahren, der uns mit allem Seienden vereint. Dies lässt uns schließlich begreifen, dass wir selbst Ausdruck des universalen Bewusstseins sind. Dieses Bewusstsein ist zeitlos, ohne Anfang und daher immer gegenwärtig.

Das Bewusstsein ändert sich nicht, so wenig, wie das Meer sich ändert, auch wenn es sich in Millionen und Abermillionen von Wellen zeigt.
Das Bewusstsein tritt aus sich heraus und entfaltet sich selbst. Es ist wie die Sonnen, die sich auf der Oberfläche des Ozeans spiegelt. Wenn sich das Wasser kräuselt, entstehen Tausende kleine Sonnen, und das Spiegelbild der Sonne ist verschwunden. Tausende kleine Sonnen sind als die vielen Wellen erschienen. Alle spiegeln sich, alle offenbaren sie in ihrer Eingrenzung die eine Sonne. Das eine Bewusstsein wird in viele Teile zerbrochen – zusammen aber sind sie das eine Bewusstsein.
 

Auf der Ebene des personalen Bewusstseins gibt es ein Ich und ein Du. Auf der Ebene des universellen Bewusstseins gibt es nur die Non-Dualität. Unser rationelles, personales Bewusstsein lässt sich ständig täuschen und meint, es gebe nur die kleinen reflektierenden Wellen. Wer nur die Sonne sieht, der verleugnet die Existenz der Wellen. Das eine Bewusstsein entfaltet sich in viele Einzelformen, die nicht von ihm getrennt sind.

Willigis Jäger

   
 
 
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